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Sonntag, April 22, 2007

Von Krüppeln, Bloggern und Schreihälsen

Eigentlich hätte dieses Wochenende, nach Plan, ganz anders verlaufen sollen. Doch da ich das Unglück und die Tollpatschigkeit zur Zeit gepachtet zu haben scheine, wunderte es mich nicht, dass ich das Kunststück vollbrachte, mir einige Zehen des linken Fußes böse zu verletzen. Soviel zum Thema barfuß auf einer Sandbank herumlaufen wenn die Nacht hereingebrochen ist. Natürlich stolperte ich über den einzigen Stein auf einer Sandbank, die in ihrer Fläche etwa einen halben Fußballplatz umfasste. War ja nicht anders zu erwarten. Daraufhin hatten sich alle Pläne erledigt und meine alten Kumpels, die Krücken, wurden wieder die besten Freunde des Mig-Krüppels. Wir duzen uns mittlerweile. Kein Wunder: Vor zwei Monaten eine Knieverletzung, vor einem halben Monat eine Muskelzerrung und eine Fersenprellung und nun eben ein übel zugerichteter Fuß. Aber wenigstens war es diesmal keine Sportverletzung, welche mich an meinen Parkour-Skills zweifeln lassen würde. Wer will mit mir die Pechsträhne tauschen?

Doch wenigstens hatte ich so die Zeit, das aktuelle Geschehen in der österreichischen Blogosphäre zu beobachten. An und für sich tut sich dort ja leider recht wenig. Auch wenn es viele sehr gute und beherzte Blogger gibt. Aber am Samstag wurde es fünf wackeren Bloggern ermöglicht, live vom Parteitag der alten Zombiepartei zu berichten. So verfolgte ich, die durchaus gelungene Berichterstattung, von Kollegen Tom Schaffer.

Für die Blogosphäre wird sich durch die kurze mediale Aufmerksamkeit, meines Erachtens, wenig ändern. Die ÖVP erreichte eine Zielgruppe, die sie sonst nur schwerlich erreichen würde. Aber in Stimmengewinne oder eine Einstellungsänderung, der Partei gegenüber, wird sich dies wohl nicht niederschlagen. Und die Live-Blogger konnten ein wenig Journalistenluft schnappen und die Bekanntheit ihrer Blogs etwas erhöhen. Was sicherlich kein Nachteil ist. Aber alles in allem war es wohl ein vorsichtiges Abtasten der Berührung zwischen Bloggern und parteipolitischen Veranstaltungen in "real-time".

Aber leicht verdient war die Aufmerksamkeit, die die Berichterstatter auf sich zogen, wahrscheinlich nicht. Schließlich mussten sie ja auch einen Parteitag über sich ergehen lassen. Laut meiner Erfahrung ist dies ungefähr so aufregend wie die Masern. Und auch ein schreiender und keifender Wolfgang Schüssel, wie auch aus den ZIB-Nachrichten zu ersehen war, ist nicht unbedingt das, was man für gewöhnlich als Wochenendvergnügen ansieht. Aus diesem Grund: Respekt an die Bloggerkollegen, die den Parteitag über sich ergehen ließen und, durchaus humorvoll, darüber berichteten. Ich hätte mir grundsätzlich mehr Interviews gewünscht, aber man kann nicht alles haben. Und schließlich handelte es sich bei diesen Bloggern ja nicht um bezahlte Journalisten, sondern um Blogger, die natürlich nicht alle Finessen des journalistischen Handwerkes beherrschen können. Vor diesem Hintergrund haben sie sich aber sehr gut geschlagen und die österreichische Blogosphäre gut vertreten.

gracias por estar ahì

Michael Moser

Freitag, März 30, 2007

Aufgespießt bei...

... ZurPolitik.com. Bloggerkollege Tom Schaffer hat einen, laut meiner Meinung, sehr ausgewogenen und gut reflektierten Artikel zum Thema Antiamerikanismus verfasst. So widmet er sich etwa einzelnen Ursachen von Antiamerikanismus und verschränkt die Thematik mit einer Vielzahl von Ansichtspunkten. Prädikat: Sehr lesenswert.

Zum Artikel gehts hier: Schaffer, Tom (2007): Anti-Amerikanismus, Blogeintrag vom 29. März 2007. Weblog ZurPolitik.com. URL: http://www.zurpolitik.com/?p=228 (30.03. 2007)

gracias por estar ahì

Miguel de Cervantes

Freitag, März 16, 2007

Link: Artikel in "Liberal in Austria"

Der Bloggerkollege von "Liberal in Austria" nahm den vorherigen Artikel "Die Blogosphäre und der Terror" zum Anlass, seinen Standpunkt zur Thematik durch ein Posting auf seinem Blog darzustellen. Erreicht werden kann das Posting durch folgenden Link:

Artikel: Antwort auf Miguel de Cervantes Blogeintrag in der Tageszeitung "Die Presse", Weblog "Liberal in Austria"

Der Autor befasst sich konzentriert mit der Lage in Afghanistan während des Taliban-Regimes, versucht Gründe zur Notwendigkeit des Krieges und der Besatzung aufzuzeigen und behandelt die Rolle von Afghanistan, die das Land für TerroristInnen spielte und spielt. Der Bloggerkollege von "Liberal in Austria" stellt seine Meinung, seinen Standpunkt im Posting klar. Ich kann einigen Überlegungen gut zustimmen, einigen Überlegungen weniger - doch der Autor begründet seine Standpunkte und Meinungen und aus diesem Grund ist der Artikel eine weitere interessante Version zur Thematik.

EDIT: Wie ich gerade sah, nahm sich auch der zweite Bloggerkollege jenes Weblogs der Thematik an. Auch hier gilt ähnliches wie zuvor. Ich kann einigen Überlegungen gut zustimmen, einigen Überlegungen wiederum weniger. Meinungen sind nun einmal subjektiv und unterschiedlich und dies ist auch wünschenswert und gut. Ich will aber besonders hervorheben, dass sich dieser Artikel stark mit den Ursachen und möglichen Lösungsmöglichkeiten zur Thematik des Terrorismus beschäftigt und hierbei, intersubjektiv nachvollziehbar, argumentiert wird. Gefunden kann der Artikel durch folgenden Link werden:

Artikel: Zweite Antwort auf Miguel de Cervantes, Weblog "Liberal in Austria"

gracias por estar ahì

Miguel de Cervantes

Mittwoch, März 14, 2007

Die Blogosphäre und der Terror

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und einige deutschsprachige Blogs abgeklappert. Thema meiner Suche: Die Berichterstattung über das echte oder vermeintliche "Terroristenvideo", welches auch Österreich "bedroht". Und ich fand es erschreckend, wie sehr auch die Blogosphäre in den Mainstream verfällt.

Besonders AutorInnen libertärer (oder liberaler) Blogs taten sich besonders hervor, wenn es darum ging, die gängigen Propagandasprücherl zu wiederholen. Man müsse eben "Flagge bekennen", man müsse "die Terroristen bekämpfen und ausräuchern", der Westen führe einen Kampf für "Frieden, Menschenrechte und Demokratie"... es wurde eben genau jener Müll nachgeschrieben, der auch die Mainstreammedien bevölkert. Hier sei gesagt: Bei den meisten Libertären scheint sich ihr Libertarismus leider nicht durch ihr Denken zu zeigen.

Die tollste Propagandalüge: Der Westen zieht (bewaffnet) aus um Demokratie, Frieden und Menschenrechte in die geknechteten und rückständigen Länder dieser Erde zu bringen. Und wie macht man das? Natürlich mit Bomben, Kugeln und Raketen. Mir drängt sich hier statt dem Bild der Friedenstaube dann schon eher das Bild der Kolonialmacht auf. Der Westen bringt keinen Frieden, der Westen "schnappt" sich Kolonien und damit Einfluss und Ressourcen. Und wer sich (wie im Irak und Afghanistan) gegen die Besatzungs/Kolonialtruppen wehrt ist ein Terrorist? Schön langsam frage ich mich, wer der wirkliche Terrorist ist... die Mudschaheddin/Aufständischen oder doch der selbstgefällige "Friede, Freiheit, Menschenrecht auf Erdöl"-Westen.

Ja, es wurden blöde Klischees von "Gute Truppen des Westens versus böse Terroristen" bemüht. Verkürzende Darstellungen, die einmal mehr zeigen, dass die Kriegspropaganda erfolgreich war. Alles ist erlaubt, sofern es gegen die bösen, bösen und nochmals bösen Terroristen geht... denn immerhin schlottern uns die Knie. Einmal kurz die Ohren aufsperren: Seit der Westen Krieg gegen den Terror führt, in jener bewaffneten und kriegerischen Weise, haben terroristische Organisationen vermehrten Zulauf erhalten. Soviel dazu, dass ein bewaffneter Angriffskrieg Probleme lösen würde.

Ich hätte mich gefreut, wenn der Frage nachgegangen wäre, was österreichische Soldaten, deren Abzug im Video gefordert wird, überhaupt in Afghanistan zu suchen haben? Österreich ist ein neutrales Land (so steht es in der Verfassung) und nun mischen wir in einem Krieg mit, in dem die NATO unter dem "Oberkommando" der USA eindeutig das Sagen hat?

Afghanistan wurde durch einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg durch die NATO erobert - seit wann ist Österreich Mitglied oder Helfer der NATO? Österreichische Soldaten raus aus Afghanistan, nicht wegen eines echten oder vermeintlichen "Terroristenvideos", sondern einfach weil dort österreichische Soldaten nichts zu suchen haben. Es sei denn wir wollen auch ein Wenig kolonialisieren und bei den "Großen" mitmischen. Aber dann seid bitte so ehrlich und erzählt der Bevökerung, warum die Soldaten wirklich dort stationiert sind. Und redet euch nicht auf humanitäre Aufgaben heraus, denn dafür braucht man zwar eine Menge an Geld und guten Willen, aber sicher keine bewaffneten Soldaten.

Und bevor ich es vergesse: Wer glaubt wirklich, dass das "Terroristenvideo echt" ist? Seit wann beschäftigen sich Terroristen/Mudschaheddin/Aufständische mit der österreichischen Innenpolitik iw z. B. Studiengebühren? Nicht das sie es nicht könnten, die Welt ist ja vernetzter denn je, aber es ergibt in diesem Zusammenhang einfach keinen Sinn.

gracias por estar ahì

Miguel de Cervantes

Dienstag, Februar 27, 2007

Sollten Blogger JournalistInnen sein?

In letzter Zeit befasste ich mich, in einer wissenschaftlichen Arbeit, unter anderem mit dem Gebiet "Blogger und JournalistInnen". Dabei drängte sich immer die Frage auf, ob denn Blogger als JournalistInnen zu bezeichnen wären. Denn geht man von klassischen Definitionen des Berufsbildes "Journalist" aus, so treffen sehr viele Aspekte auf Blogger zu. Und, bewegt man sich einige Zeit in der "Blogosphäre", so kommt man nicht umhin, den Wunsch vieler Blogger, als JournalistInnen anerkannt zu werden, zu registrieren.

Es gibt gewisse Tendenzen, von Seiten der Gesetzgebung, die Blogger, in gewissen Teilbereichen, bereits JournalistInnen gleichstellen. Dies fängt bei der Impressiumspflicht an und führt, in weiterer Folge, bis zu medienrechtlichen Klagen gegenüber Bloggern, die die Grenzen des Medienrechtes (was in erster Linie für das Berufsfeld der konventionellen Medien geschaffen wurde) überschritten haben. Ich will das gängige österreichische Medienrecht, samt Verbindungen zu den Euopäischen Menschenrechtskonventionen usw. nicht weiter ausbreiten, doch bleibt festzuhalten, dass Blogger, von Seiten des Gesetzgebers, mehr und mehr JournalistInnen gleichgestellt werden.

Und dies ist nicht unbedingt wünschenswert. Denn im Gegensatz zu JournalistInnen, genießen "wir" Blogger nicht den Schutz einer Redaktion bzw. eines Medienunternehmens. "Wir" sind, bei Klagen auf uns alleine gestellt. Und Gründe für Klagen gäbe es zuhauf. Vor allem in den USA sind bereits Fälle bekannt, in denen Blogger in Beugehaft genommen wurden, oder aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher Verleumdung von Unternehmen vor den Kadi gezerrt wurden. Blogger sind immerhin ein wichtiger Faktor in der Markenpolitik der Welt des Web 2.0. Ein "böses" Posting über ein Produkt oder ein Unternehmen kann gravierende Folgen nach sich ziehen. Auch wenn der Großteil der Gerichtsverfahren zu Gunsten der jeweiligen Blogger endete oder enden wird: So ein Gerichtsverfahren kann langwierig und kostenintensiv werden, auch wenn man das Verfahren gewinnt.

Also plädiere ich dafür, dass Blogger in dieser Hinsicht, in der Gleichstellung zwischen Blogger und JournalistInnen, sorgsam und kritisch hinterfragen sollten. Anstatt eine Gleichstellung zu fordern, die in der Regel eher ungünstige Folgen für "uns" bereithält, sollten wir uns an dem erfreuen, was "wir" sind - nämlich Blogger der "Blogosphäre", einem virtuellen Raum, der mehr und mehr Einfluss auf das "Real Life" hat.

Und wer wirkich JournalistIn sein möchte? Zumindest im deutschsprachigen Raum ist diese Berufsbezeichnung nicht geschützt. Im Grunde könnte sich jeder/jede diese Bezeichnung auf die Visitenkarte schreiben. Und das Streben nach einem Presseausweis? Nun ja, so toll ist der auch nicht und der Autor spricht hier aus Erfahrung. Man kann mit so einem Presseausweis zwar die 1. Klasse der ÖBB benutzen und muss nur die 2. Klasse bezahlen, damit hat es sich aber auch schon ziemlich. Mittlerweile kann man sich diese Dinger sogar schon auf einfachen Wege kaufen - wer es nötig hat. So richtig zum angeben und Eindruck schinden taugt ein Presseausweis auch nicht.

gracias por estar ahì

Miguel de Cervantes