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Montag, April 23, 2007

Von französischen Wahlen, Pariser Vorstädten und der Krone

Wie zu erwarten schafften es Nicolas Sarkozy und Segolene Royal in die Stichwahl um das französische Präsidentenamt. Das Beste an diesem ersten Wahltag: der rechtsextreme Jean-Marie Le Pen ist aus dem Rennen. Damit hat es sich aber auch schon. Denn es kann davon ausgegangen werden, dass sich Nicolas Sarkozy in der Stichwahl durchsetzen wird. Nicolas Sarkozy, selbst Sohn eines ungarischen Migranten, der im Laufe seines Lebens nationalistischer wurde, als der Großteil der "nativen" Bevölkerung Frankreichs. Der Migrantensohn, der eine Null-Toleranz gegen Migration auf seine Fahnen geheftet hat. Der Migrantensohn, der seine Herkunft hinter sich gelassen hat um den Migranten mit Arroganz und Unverständnis zu begegnen.

Besonders populär wurde dieser als Innenminister zu Zeiten der Aufstände von Jugendlichen in den Vorstädten Frankreichs. Sarkozy scheute nicht davor zurück, den "harten Mann" zu markieren und den Konflikt durch Beschimpfungen und populistische Maßnahmen anzukurbeln. Dies brachte ihm auch Sympathien vom ganz rechten Spektrum der französischen Bevölkerung.

Der Schreiberling kam, am Ende eines Interrailtrips, nicht umhin, diese Vorstädte in Paris zu besuchen. Dies war ein gutes Monat vor Beginn der Krawalle. Und schon damals fragte ich mich, wie es die Menschen dort nur aushalten könnten. Denn ein schöner Platz zu leben sind diese "Vorstädte" absolut nicht. Grau um grau das Bild. Angereichert durch Chancen- und Hoffnungslosigkeit der beste Nährboden für Konflikte. Statt das Problem an der Wurzel zu packen, soziale Mißstände zu beseitigen, wurden die Aufständischen jedoch wie Ratten behandelt. Der beste Weg, wenn man keinen Ausweg aus der Sackgasse finden will.

Doch lassen wir einmal jemandem zu Wort kommen, der in einer dieser Pariser Vorstädte aufwuchs. Ein früherer Arbeitskollege, Franzose mit algerischen Eltern und nunmehr erfolgreicher (Klein)-Unternehmer in Österrreich: "Dort zu leben war nicht nur schlecht. Es gab auch schöne Tage im "banlieue". Aber es war nicht leicht. Die Schulen waren nicht gut. An ein Studium konnten nur die wenigsten denken. Das schafften nur jene, die entweder wahnsinnig intelligent waren oder ein riesen Glück hatten. Franzosen waren wir Einwanderer nur in unseren "banlieues". Waren wir aus der Stadt, so verriet uns unsere Hautfarbe als Araber, als Schwarz-Afrikaner, als Asiaten oder wie auch immer. Obwohl wir eigentlich stolze Franzosen waren. Ich ging mit 18 Jahren fort, da ich nicht das Leben meiner Eltern fortführen wollte. In die Fabrik arbeiten gehen und die Familie dann doch nur durch Überstunden und Nebenjobs durchzubringen wie mein Vater... das wollte ich nicht. Hier war keine Zukunft. Die meisten, mit denen ich aufwuchs, leben noch immer dort. Auch ihre Kinder werden wenig Zukunft vorfinden, so wie ich sie dort einst nicht fand. Also ging ich zuerst nach Spanien, dann nach Portugal und irgendwann landete ich in Österreich. Hier bin ich noch immer ein Ausländer. Ein Berber von der Abstammung, ein Araber aus Algerien oder ein Franzose aus den Pariser Vorstädten. Wie man es dreht und wendet: Ich werde wohl, in den Augen vieler, immer ein Ausländer sein. Wäre es nicht viel leichter, einfach Mensch zu sein?"

Aber auch in Österreich haben Migrantenkinder de facto nicht die selben Chancen wie "österreichische" Kinder. Und wie in Frankreich wird auch bei uns gegen Migranten gehetzt. Zum Einen von blau-orange-brauner, politischer, Seite, zum Anderen vom österreichischen Hetzblatt, der "Kronen Zeitung". Da erfährt das Wort Migrant gleich mal das Attribut "kriminell", und Asylwerber werden pauschal als "Wirtschaftsflüchtlinge" und "Drogendealer" beschimpft. Ist dies eines demokratischen und aufgeklärten Staates würdig? Nein! Ist dies eines aufgeklärten Mediensystems würdig? Nein! Führt dies zu Spannungen und Problemen, die nicht nötig sein müssten? Ja! Werden die Hetzer, die für Feindseligkeit sorgen, für ihr schändliches Spiel mit der Angst zu Verantwortung gezogen? Nein!

In Österreich ist es, zum Glück, noch nicht "5 vor 12". Doch wenn das offizielle Österreich und ihre politischen Vertreter nicht bald beginnen, den MigrantInnen jenen Respekt zu erbringen, den sie sich ehrlich verdienen, dann wird es auch eines Tages bei uns zu Aufständen kommen. MigrantInnen sind keine "ratas de ciudad", sie sind Menschen, die es verdienen ernst genommen zu werden. Menschen, die genauso viel wert sind, wie es die "österreichische" Bevölkerung ist. Menschen, die nicht zum Spass in dieses Land kamen, sondern für sich und ihre Familie ein besseres Leben suchten und dabei auch helfen, dieses Land wirtschaftlich und kulturell fit zu halten. Statt sie wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln sollten wir die MigrantInnen begrüßen und ihnen jenen Platz in dieser Gesellschaft zugestehen, den sie sich verdienen. Nämlich als vollwertige Mitglieder einer Gesellschaft, die schon längst multi-ethnisch und heterogen ist und nicht als Ausgestoßene, Verachtete oder Randgruppen. Alles andere wäre unmenschlich, grober Unfug und Wahnsinn.

gracias por estar ahì

Michael Moser

Freitag, April 06, 2007

Unser Web bekommt Nachwuchs

Je näher sich das Jahr Richtung Frühsommer neigt, umso häufiger werden lokale Printprodukte von Meldungen über "erfolgreiche" Maturaprojekte überschwemmt. Eines haben diese, von findigen Direktoren verfasste Pressemitteilungen, gemein. Zu einem großen Prozentanteil handelt es sich bei den "erfolgreichen" Projekten um die Gestaltung einer Website. Das war schon zu Zeiten des Platzens der Software-Blase langweilig.

Nun hat der Schreiberling nichts gegen Websites. Vielmehr noch, der Schreiberling hat eine große Vorliebe zum Verwandten der Websites, den Weblogs. Aber wird es nicht langsam langweilig, vom hundertsten "erfolgreichen" Websiteprojekt zu lesen. Und wird es den zuständigen Betreuern nicht langsam etwas peinlich, Jahr für Jahr Bestnoten für die immer gleichen Arbeiten zu vergeben?

Die Erstellung einer Website ist, dank vieler einfacher und nützlicher Programme, kein Problem. Selbst der Schreiberling, der auf gestalterische Elemente, wie man an dieser Weblog deutlich sehen kann, gerne verzichtet wäre in der Lage binnen kürzester Zeit ein solches "erfolgreiches" Projekt zu beenden. Wo bleibt denn die Herausforderung für die zukünftigen Matura-Inhaber?

Nun will ich nicht als der große Miesmacher agieren oder mit Sprücherl wie "zu meiner Zeit musste man noch etwas können" aufwarten. Aber nun ja? Betrachte ich das Projekt, welches ich mit zwei KollegInnen durchführte, so war die Herausforderung doch ungleich größer, als es ein bisschen programmieren wäre. Es handelte sich um ein Analyse nach controllerischen Gesichtspunkten und war vor allem eines: Recherchearbeit und die Anwendung von erlernten Werkzeugen - hieraus konnte gleich erpropt werden, ob die graue Theorie und das eigene Verständnis in der Praxis bestehen würde. Und auch wenn man nicht vorhat, in einem Kommunikationsberuf tätig zu sein, so ist das Erlernen von grundlegenden Recherchetechniken doch eine Fähigkeit, die in ziemlich jedem Beruf von Vorteil sein wird. Doch dazu zählt sicher nicht, sich ein paar Bilder von Google zu besorgen und sie in Templates zu integrieren.

Aber so funktioniert eben ein Bildungssystem, welches eben nicht funktioniert. Statt relevanten Aufgaben werden Placebo-Aufgaben verteilt, statt Forschung findet Placebo-Forschung statt. Wie würde es auch anders gehen, wenn die monetären Ressourcen in keinster Weise dem entsprechen, was für einen zukünftigen Vorteil des Einzelnen oder einer Volkswirtschaft erforderlich wäre?

Doch wie dem auch sei. Nicht nur der Wald bekommt Nachwuchs, wenn wir stolz auf Holz sind. Auch das Web bekommt Nachwuchs, wenn sich das Gasthaus "Zum stinkenden Igel" oder der "Naturkostladen Potenzbio" durch eine Website, erstellt von künftigen Matura-Inhabern, einer breiten Online-Öffentlichkeit präsentiert. Karl-Heinz Grasser´s Supporterklub, finanziert von der Industriellenvereinigung, hätte sich einen Haufen Geld ersparen können, wenn sie die leidige Homepage von Maturanten erstellen lassen hätten. Und die Homepage-Affäre wäre keine gewesen.

gracias por estar ahì

Miguel de Cervantes

Donnerstag, März 22, 2007

Reading may causes to violence

Nach jeder Wahnsinnstat von jugendlichen Amoktätern folgt unweigerlich die Schuldsuche, die allzu oft bei sogenannten "Killerspielen" ihren finalen Gegner findet. Die "Killerspiele" sind schuld, sie sind Schund und verboten gehören sie sowieso - dies ist der Tenor, der über den Äther schallt, getragen von selbsternannten Experten.

Nun will ich diese sogenannten "Killerspiele" nicht verteidigen. Denn bei einer LAN im Freundeskreis führte ein Killerspiel dazu, dass ich frustriert meine PC-Maus zerstörte. In meinem speziellen Fall führten "Killerspiele" also sehr wohl zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft. Gegen die PC-Maus wohlgemerkt, nicht gegen Menschen. An dieser Stelle will ich mich hochoffiziell bei diesem Logitech-Ding entschuldigen, mir tut es nun ehrlich leid - wer´s glaubt (´cause I point my middle-finger)...

Doch zurück zum Text. Ich will mir aber nicht anmaßen als weiterer selbsternannter Experte aufzutreten und pro oder contra von "Killerspielen" zu argumentieren. Ich bin der Meinung, dass die Gewaltbereitschaft eines Menschen von unzähligen Faktoren abhängt und in keinster Weise auf einen oder wenige ursächliche Gründe zurück zu führen ist. Dafür ist der Mensch einfach zu komplex.

Einen interessanten Beitrag fand ich jedoch auf Telepolis. Hier schrieb Florian Rötzner einen Beitrag, der sich mit einer Studie befasst, die zu dem Ergebnis kommt, dass auch Texte zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft führen können. Die Studie wurde von Psychologen der University of Michigan, der Amsterdamer Vrije Universiteit und der Brigham Young University durchgeführt und kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Das Lesen von Texten, in denen Gewalt durch eine göttliche Kraft sanktioniert wird, kann zu einer vermehrten Gewaltbereitschaft führen. Werden in Zukunft also auch die Bibel, der Koran, die Thora, die Bhagavad Gita und andere religiöse Schriften einer "Altersfreigabe" unterliegen?

Der gesamte Artikel auf Telepolis ist hier nachzulesen: Gewaltbereitschaft kann auch durch Lektüre von Texten verstärkt werden

gracias por estar ahì

Miguel de Cervantes